Kieselblog

Flusskiesels Tagebuch

2026-01-21 Mittwoch

Nacht

Unruhige Nacht. Ich schrecke andauernd auf und muss auf die Toilette. Wenn das so weiter geht, werde ich wohl wieder damit beginnen müssen, abends Promethazin zu nehmen. Das gefällt mir überhaupt nicht, aber bevor ich wieder in Schlaflosigkeit verfalle, nehme ich lieber ein Medikament.

Morgen

Ich stehe um sechs Uhr auf. Für einen Morgenspaziergang fehlt mir die Kraft. Kraftfutter mit Banane. Meditation schwierig.

Für den Thronfolger drucke ich einen Brief an die neue Universität aus und tüte ihn ein. Bin ein wenig stolz auf meine gute Organisation: Briefumschläge, Briefmarke – alles da. Der Brief wird zusätzlich eingescannt und an den Thronfolger gemailt.

Es sind die kleinen Dinge.

Arbeitstag

Der Vormittag ist hektisch. Ich telefoniere viel, wobei das erste Telefonat des Tages zugegebenermaßen auch ein wenig quatischig ist.

Dann hektisches Abtelefonieren für einen morgigen Termin. Dann digitale Teilnahme an einer Veranstaltung. Ich bin stiller Zuhörer und Chat-Beobachter.

Vorher stopfe ich mir noch hektisch mein Mittagessen (zwei Brötchen mit Sahne-Heringsfilet).

Fokus

Ich kann mich trotz allem dann doch ganz gut auf die Arbeit fokussieren. Oder ist das nur eine Ablenkung? Immerhin bin ich mehr oder weniger bei mir selber.

Die Ängste manifestieren sich. Ich überlege, ein zusätzliches Schloss an der Wohnungstür anbringen zu lassen. Dort hängt ein nutzloses, altes Schloss ohne Schlüssel und das könnte ich ersetzen. Ich bin mir unsicher, die Montage eines neuen Schlosses mit Sperrbügel nun einfach eine normale, zusätzliche Sicherung darstellt oder nur meiner Paranoia entspringt, komme aber zu dem Schluss, dass so eine Investition nicht übertrieben ist und auch nicht schadet.

Fressflash am Abend

In der Gruppe geht es heute um meine Depersonalisierung, um meine PTBS und um die zerbrochene Freundschaft. Danach geht es mir viel besser. Ich sehe viel klarer und habe keine so große Angst mehr. Ich sehe auch wieder meinen Weg.

Wie häufig kommt der „Rückfall“ bei mir nicht in der Zeit des großen Drucks, sondern wenn dieser Druck nachlässt: Abends esse ich ein kleines Glas Bratröllchen, ein (bereits offenes) Glas Kimchi. Dann sechs Scheiben Toast mit dick Erdnussbutter und Marmelade. Auf meinem Spaziergang kaufe ich noch eine kleine Tafel Schokolade (Ritter Sport), einen Schokoriegel (irgendwas mit Erdnussbutter) und eine kleine Tüte Chips (diese Dinger aus den Automaten). Das alles stopfe ich noch im Gehen in mich rein. Daheim trinke ich noch ein alkoholfreies Lindemann‘s Pecheresse (Pfirsichbier – übrigens wirklich köstlich). Danach habe ich Bauchweh und lege mich ins Bett.

Ich schaffe es ganz gut, mich nicht darüber zu ärgern. In Anbetracht der psychischen Gesamtsituation ist das alles ja noch harmlos und immerhin bin ich trocken geblieben.

Dazu kommt noch die Erkenntnis, dass diese industrielle Vollmilchschokolade und die Chips für mich inzwischen eigentlich ziemlich eklig schmecken.

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