Nacht
Ganz ordentliche Nacht. Mein Körper muss sich wohl viel Kraft zurückholen.
Traum vom Büchertauschregal
Mir träumt, mein Jugendzimmer ist auf dem Dachboden der Arbeit. Ich liege im Bett. Dabei bin ich nackt und mache mir anzügliche Gedanken. Da kommt plötzlich eine Kollegin rein und erzählt mir was. Schnell verziehe ich muss ganz unter die Decke.
Da kommt ein Hausarbeiter rein (übrigens ein von meinem Gehirn komplett erfundener Mensch) und bringt ein sehr kleines Bücherregal. Das soll bei mir aufgestellt werden. Er räumt es vor mein eigenes Regal. Ich stehe auf, schlüpfe schnell in meine Kleidung und schaue mir die Sache an. In dem Regalchen stehen Klassiker der Weltliteratur. Es ist pickepackevoll mit Büchern. Der Hausarbeiter erklärt, dass ich jetzt auch einen Teil meines eigenen Bücherregals werde opfern müssen, wenn Mitarbeitende aus dem Haus eigene Bücher mitbringen wollen. Da erst verstehe ich, dass das ein öffentliches Büchertauschregal sein soll – und das mitten in meinem Zimmer! Ich bin ein wütend, dass meine Chefin so etwas entschieden hat, aber mir fallen erst keine guten Argumente ein. Wenn ich sage, dass ich mich in meinem eigenen Zimmer auch mal ausziehen möchte, könnten die Kolleginnen ja denken, ich wäre auch mal nackt und das ist ja total peinlich!
Ich bin nun ziemlich aufgebracht, aber mir ist bewusst, dass ein Teil meiner angeblichen Wut einfach nur Scham ist.
Morgen
Ich bleibe heute lange liegen und stehe erst gegen halb acht Uhr auf. Der leichte Muskelkater schmiegt sich an mich und erklärt mir, warum ich so viel schlafen musste.
Eine kleine, unblogbare Sache geistert in meinem Kopf herum, aber ich kann sie annehmen und dabei meine Angst (die hinter der Sache steckt) annehmen. Sie ist eigentlich nicht so schlimm.
Zum Frühstück gibt es Kraftfutter mit türkischer Birner (eine Bildersuche nennt Deveci Birne als mögliche Sorte). Die Birne ist erstaunlich groß und fest, aber trotzdem süß. Nicht ganz so süß wie unsere überreifen Schlabberbirnen, aber das kann natürlich auch am Reifegrad usw. der Devecis liegen. Die Birne macht im Müsli und in meinem Mund auf jeden Fall eine sehr gute Figur.
Lese-Ecke
Im Wohnzimmer baue ich ein wenig an meiner neuen Lese-Ecke herum, die durch die „neuen“ Sessel möglich geworden ist. Ich bin mit der Anordnung des Poäng-Sessels (Schwingsessel von IKEA) und des Gästebettsessels (er hat sich mir noch nicht vorgestellt) noch nicht zu 100% zufrieden, es läuft aber schon mal gut an. Ein Tischen mit dem Drucker darin wandert auch zum Poäng. Auf einem „Blumenhocker“ (so heißt das wohl tatsächlich) steht jetzt die Kaffeetasse und es liegt auch noch ein One-Piece-Band zum Lesen bereit.
Während ich also im Schwingsessel hänge und diese Zeilen tippe, schweift mein Blick nach draußen. Dort liegt die Welt in stillem Grau und ist von Raureif überzogen.
So könnte es den ganzen Tag bleiben.
Mittagessen schwer im Magen
Zu Mittag mache ich eine Soße aus Zwiebeln, Knoblauch, Kokosmilch und Currypaste. In ihr koche ich Vollkorn-Spiralnudeln, während im Speisefön Tofu „Rosso“ in Würfelform brutzelt. Im Wok brate ich dann Weißkohl und Lauch. Später kommt alles zusammen und schmeckt gut. Allerdings liegt mir das Essen erstaunlich schwer im Magen (der Kohl? Das Fett aus der Kokosmilch?) und ich setze mich für eine halbe Stunde in den Schwingsessel und döse (merkt man mir die Begeisterung für die neuen Sessel an?). Langsam rutscht das Essen aus dem Magen eine Etage tiefer.
Hafenkante
Rückweg aus Meiderich. Im Hafen schlafen die LKW. Ihre Fahrer sind wach und hocken auf der Ladefläche um ihren Grill. Zwischen den Fahrzeugen steht ein einsamer Wohnwagen. Eines der Fenster ist mit Panzerband geflickt. Urlaub wird hier nicht gemacht.
Abend, Masters of the Air
Ich lege mir die magische Tastatur des Mac mini auf den kleinen Tisch und schaue zwei Episoden von „Masters of the Air“. Diese sehr authentische Serie schockiert mich ein um das andere Mal, weil der Cast der Bomberstaffel mehr oder weniger ausgewechselt wird, weil die Allermeisten ihrer Mitglieder schlicht sterben. Sie verbrennen in ihren Maschinen, werden von Geschossen oder Granatsplittern zerfetzt oder sie stürzen einfach ab.
Nach einem Angriff auf den Güterbahnhof von Münster kommen von 13 Maschinen nur eine einzige zurück – und das nur mit Glück und in einer vollkommen zerschossenen Maschine. In einer Einstellung fliegt diese B-17 durch einen Regen aus Wrackteilen der Flugzeuge ihrer Kameraden. Die Szene sieht vollkommen unwirklich aus. Fast, als würde das Grauen selber vom Himmel schneien.
Vorher hat ein Pilot den Angriff auf Münster kritisiert, weil er am Sonntagmittag stattfinden sollte und der Güterbahnhof so nahe an der Kathedrale sei. Man würde nicht nur den Bahnhof und die Arbeiter dort, sondern auch deren Familien beim Kirchgang treffen. Der Staffelführer (ich nenne ihn mal so, weil ich mir die Bezeichnungen für die Einheiten usw. nicht merken kann) verteidigt den Angriff damit, dass so nun mal der Krieg sei. Es würden im Krieg Bomben fallen und damit müssten halt alle rechnen. Er kanzelt den Untergebenen regelrecht ab – auch, wenn erst vor kurzem sein bester Freund gefallen ist.
Später ist der Staffelführer dann für ein paar Tage auf Urlaub in London und sieht die Folgen der deutschen Bombenangriffe (London wurde von den Deutschen bis fast zum Ende des Krieges weiterhin bombardiert). Er und der Zuschauer wird besonders von den verzweifelten Schreien einer Mutter berührt, die vor den Trümmern ihres Hauses mit den Leichen ihrer Familien darunter steht. Der Mann wird also mit den Folgen von Einsätzen konfrontiert, wie er sie selber auch durchführt.
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