Nacht
Mittelgute Nacht. Der Husten lässt mich in weitgehend in Ruhe.
Traum vom Geburtstag
Mir träumt, dass ich Geburtstag hatte und nun mit einem sozialen Kater aufwache. Ich bin total gerührt und traurig. Weiß überhaupt nicht wohin mit meiner Traurigkeit. Die beste Ex-Frau von allen legt Wäsche zusammen und hat keine Zeit, mich zu trösten.
Morgen
Um sechs Uhr weckt mich klassische Musik. Ich bin ein bisschen aufgeregt, weil ich heute nach Ahlen in Westfalen fahlen … äh … fahren will. Die gute Freundin A. ist nämlich in der Nähe und da sie ja eigentlich hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen und noch weiter weg lebt, nutzen wir die Gelegenheit für ein Treffen.
Der Husten ist wieder aktiver. Er nervt bei der Morgenmeditation.
Bloggen
Der Rucksack für die heutige Fahrt ist gepackt, draußen wird es langsam hell und ich verblogge ein paar Tage der letzten Woche. Es macht mir Freude, noch mal die Tage mit ihren Vorkommnissen durchzugehen. Bloggen und Tagebuch sind wirklich schön Hobbys. Mir hilft das Aufschreiben auch sehr, mit meinen Gedanken und Gefühlen umzugehen.
iPad
Ich befürchte, das hört sich jetzt wie ein Werbeblock an, aber ich bin begeistert, wie reibungslos sich das iPad Pro in mein Leben integriert hat. Ich möchte was Lesen? Schnell in die Tasche gegriffen und das iPad rausgeholt. Das 11“ ist für mich angenehm leicht, dass ich es gerne zum Lesen benutze. Das Display ist aber groß genug, dass ich mir die Schrift so einstellen kann, dass ich auch mit der Gleitsichtbrille gut lesen kann (sonst nehme ich gerne die Bildschirmbrille oder lese ganz ohne Nasenfahrrad – allerdings sehe ich dabei aus wie ein Maulwurf). Will ich was Schreiben, nehme ich entweder den Apple Pen oder (lieber) die Tastatur. Im Zug habe ich häufig die Tastatur vor mir aufgeklappt und halte das iPad in der Hand. Benötige ich die Tastatur, verwandelt sich das iPad mit einem Handgriff (Magnete!) in einen kleinen Laptop. Meine Texte sind sofort in Ulysses und ich kann sie daheim ohne extra Aufwand (exportieren, versenden, synchronisieren) am Mac weiter bearbeiten.
Würde ich nicht Schrittzähler auf dem iPhone so gerne nutzen, könnte ich fast auf ein Smartphone verzichten und neben dem iPad ein Tastenhandy nutzen.
Ahlen
Der Tag ist freundlich und ich bin es auch. Auf dem Bahnsteig fällt mir auf, dass die Strommasten auch die Masten eines Schiffes sein könnten und fühle mich, als würde ich in See stechen.

Verträumt verpasse ich fast meinen Zug. Als ich dann zu ihm hin renne, stelle ich fest, dass es eh ein anderer ist. Ein verwirrt drinblickender Mann lächelt mich an. Ihm erging es wohl ähnlich.
Eigentlich sollte die Fahrt nach Bad Oeynhausen gehen. Ein Ort, an dem ich auch noch nie war und der Klang seines Namens macht seltsame Dinge in meinem Kopf (er wird „Öhnhausen“ ausgesprochen).
Aber A. und ich treffen uns ja in Ahlen, was ungefähr auf halber Strecke liegt und des fahre ich nur etwa eine Stunde (netto). Bis Kamen kann ich dabei wie ein Herr in der ersten Klasse sitzen und (mitgebrachten) Kaffee trinken.
Es könnte schlechter gehen!
Ahlen ist wirklich Westfalen pur. Neben dem Bahnhof gibt es sogar eine öffentliche Toilette: Kostenfrei und aus beschussfestem Edelstahl. Überall gediegene, freundliche Hemdsärmeligkeit.
In der Fußgängerzone gibt es eine Apotheke, die irgendwann vor zehn oder zwanzig Jahren abends abgeschlossen und nie wieder aufgeschlossen worden ist. Sie ist einfach so eingefroren. Alle Waren stehen noch so in den Regalen ganz so, als würden sie nur auf den Montag warten. Nur der Aufsteller von em-Eukal sieht verdächtig leergefressen aus.
Vintage. Wenn Dir Antiquitäten zu krass sind.
A. und ich laufen eine Runde durch das Städtchen. Es gibt viel zu erzählen, denn wir sehen uns ja ziemlich selten. Im Stadtcafé trinken wir Stadtkaffee. Da uns nach ungesundem Essen ist, gönnen wir uns zu Mittag jeder einen Burger. Schmeckt uns gut. Nach einem Espresso laufen wir die Werse entlang. Für A. ist so eine Art Stadt neu, denn sie kommt ja aus einer vollkommen anderen Gegend. Daran merke ich, wie nabelhaft ich selber doch bin mit meiner Zentriertheit auf das heimische Nordrhein-Westfalen. Je älter ich werde, desto besser wird aber auch der Blick für das andere.
Beim Anblick einer Pieta in einer der Kirchen kommen mir fast die Tränen. Den Katholen kriegt man aus mir wohl nicht mehr ganz raus. Das macht auch nichts. In mir ist Platz genug – auch für ihn.
A. macht ein Foto von mir vor dem Kirchenportal. Als sie es mir schickt, erkenne ich mich selber kaum wieder.

Unsere Züge fahren gleichzeitig ein, aber in unterschiedliche Richtungen. A.‘s RE 6 fährt Richtung Minden, mein RE 6 fährt in Richtung Köln. Als ich in Dortmund bin, ist es schon dunkel. Das große U leuchtet verheißungsvoll, fast schon gleißend.
Ich schippere durch das Ruhrgebiet und lasse den Tag noch einmal an mir vorüberziehen. Da war viel Erzählen und Einordnen. Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten. Nun bin ich erschöpft und meine soziale Batterie ist für heute leer, aber es hat sich gelohnt.
Abend
Daheim setze ich nur eine Ladung Joghurt an. Dann rolle ich mich unter die Dusche. Vor dem Schlafengehen spiele ich noch ein bisschen mit GeForce NOW herum. Leider funktioniert das „Install to play“ (wo man sich Spiele selber in eine mietbare Virtuelle Maschine installiert). Leider klappt das bei „Carrier Command: Gaea Mission“ nicht, bei dem ich eigentlich ganz gerne mal wieder reinspielen würde.
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