Kieselblog

Flusskiesels Tagebuch

2026-02-09 Montag

Nacht

Eher unruhige Nacht. Die Ohrenstöpsel nerven gegen zwei Uhr und ich nehme sie raus. Obwohl ich mich viel herumwälze, bekomme ich ganz ordentlich Schlaf.

Mir träumt, ich treffe mich mit den alten Handballkameraden. Ich kann mir nicht merken, ob ich Team Zitrone oder Team Sauerkirsche bin. Dann geht es zu einem Spiel, wo wir uns unter dem Dach eines Autoscooters versammeln und versuchen, mit kleinen Bällen andere Bälle von Stangen zu werfen. Danach soll gemeinschaftlich gesungen werden.

Morgen

Da ich heute meine Reise nach Bremen antrete und noch immer leicht erkältet bin, snooze ich bis ca. halb sechs. Die Ruhe tut mir gut.

Ins Kraftfutter kommt heute etwas weniger Joghurt (beim Ansetzen war das letzte Glas nur halb voll geworden) und ein wenig zu viele Nüsse. Eine recht trockene Angelegenheit.

Fahrt zur Arbeit

Ich nehme spontan die S1, weil überall Verspätungen herumlungern. Seit heute sollen die Züge ja nach der Großbaustelle Kaiserberg wieder normal fahren, aber es scheint noch nicht ganz rund zu laufen.

Der Verschluss des Thermobechers hat sich durch eine der Schnallen am Rucksack geöffnet und es gibt eine kleine Sauerei. Zum Glück ist die nur äußerlich und es ist nur ein wenig Kaffee heraus geschwappt. Ich ärgere mich nur kurz über das Missgeschick.

Die S1 bleibt in Großenbaum stehen. Eine Gruppe Frauen quorrt so laut, dass ich die ANC-Funktion meiner Kopfhörer aktiviere.

Als es dann weiter geht (fährt), lese ich „Scheißkerle“ zu Ende. Das Buch endet wie ein autobiographischer Roman nun mal enden muss, nämlich mitten in der Mitte. Ich bin berührt und möchte nicht gleich das nächste Buch anfangen.

Stattdessen bin ich allein mit meinem wehen Herz. Immerhin kann ich mich jetzt besser darum kümmern als noch vor kurzem.

Arschengel

Freundin A. hat mir das Wort „Arschengel“ geschenkt. Es bezeichnet Menschen, die uns in irgendeiner Art und Weise schaden, wodurch wir aber auch lernen, uns von ihnen abzugrenzen. Sie sind halt Arschlöcher, aber sie schenken uns auch was. Arschengel eben. Meine eigenen Arschengel haben mich weiter gebracht. Der aktuelle Arschengel, den ich jetzt gerade innerlich loslasse, hat mir gezeigt, was ich eigentlich vor Leuten wie ihn beschützen muss. Wie wertvoll das ist, was in mir ist. Es ist das, was ich „mein Herz“ nenne.

Arbeitstag

Recht anstrengender Arbeitstag. Ich habe eine umfangreiche und komplexe Recherche. Immerhin kann ich der Kollegin nicht nur mit Zahlen, Daten und Fakten, sondern auch durch Erlebtes weiterhelfen.

Nachmittags ist die Zahl der Aufgabenzettel in meinem Arbeitsbuch nicht geringer geworden.

Wegen der momentanen Erschöpfung mache ich viele Fehler. Ich vergesse auch eine ganze Menge Dinge.

Bei mir sein

Heute war ich nicht bei mir und habe mich dann auch nicht so verhalten, wie ich es mir von mir selber gewünscht hätte. Es war kein schlimmes Verhalten, dass ich an den Tag gelegt habe. Ich hätte hier und da jedoch souveräner sein (und ich weiß, dass ich das kann) und in einer Situation ruhiger bleiben können. Ich hätte auch mal jemanden auf sein nicht ganz korrektes Verhalten ansprechen können anstatt mich selber sofort schuldig zu fühlen.

Das Herz fühlt sich natürlich verletzt und ängstlich – da kann der Vernünftige noch so gut erklären. Die Vorstellung, dass ich weiter daran arbeiten werde, in Zukunft noch mehr bei mir zu bleiben, tröstet dann.

Fahrt nach Bremen

Der ICE hat ein paar Minuten Verspätung. Das Entern sowie das Einchecken klappen problemlos. Der Zug ist zum Glück nicht sonderlich voll. Der im Büro noch schnell gekochte Kaffee aus dem Thermobecher schmeckt gut. Eigentlich trinke ich so spät keinen Kaffee mehr, aber ich bin so kaputt, dass ich mir das jetzt gönne.

Ich bin so müde, dass ich diese eigentlich ganz nette Zugfahrt sehr lustlos angehe. Ich schreibe ein bisschen was ins Tagebuch, dann lese ich in den Blogs, denn der Feedreader ist seit einiger Zeit immer so voll. Mir fällt erst später auf, dass der Ichkönnteichkönnte, mein innerer Antreiber, mir die Lust am Verdödeln der Fahrtzeit verleidet. Ein bisschen hängt mir auch noch die Verhaltenssache von heute nach (siehe dort).

Also lese ich weiter Blogeinträge und nehme teil am (öffentlichen) Leben von Menschen, die ich eigentlich nicht wirklich kenne, aber eben auf die Dauer dann doch. In Münster überkommt mich mal wieder dieses Gefühl von Unwirklichkeit. Ich nutze dieses Gefühl, um wieder bei mir selber anzukommen.

Exkurs zum Thema Essen:

Mein Magen ist leer, denn das Mittagessen (Dönerbrot mit Käse, Sucuk-Burger-Patties und Zwiebeln) war früh verspeist. Übrigens habe ich mein Essen schon wieder viel zu hastig vor dem Dienstrechner runtergeschlungen. Gerne würde ich mein Essen ja mitnehmen und irgendwo draußen auf einer Bank essen, aber dazu ist es einfach zu kalt. Vielleicht mache ich ja das nächste Mal einen Zwischenstopp in der „Teeküche“ und gehe dann im Anschluss meine Runde.

Auf jeden Fall ist der Magen leer und es gibt erst morgen wieder etwas. Vorfreudegedanken an das Hotelfrühstück wabern durch meinen Kopf. Vielleicht gibt es ja ein anständiges Müsli (leider eher die Ausnahme) oder ich esse ausnahmsweise mal Brot, Brötchen und Ei.

Ankunft in Bremen

Der Zug fährt mit nur minimaler Verspätung in Bremen. Ich bin müde und der späte Kaffee zwickt den Bauch. Deswegen zwickt auch die Seele. Das Ibis Budget ist schräg gegenüber vom Haupteingang. Das Hotelzimmer ist von einer Zweckmäßigkeit, die sogar mich beeindruckt. Ich gehöre nicht zu den Menschen, welche in Hotels ihren Koffer auspacken und ihre Anziehsachen in einem Schrank verstauen wollen, aber hier habe ich Probleme, meine Kleidung für den nächsten Tag überhaupt rauszulegen und trotzdem noch einen Tisch zur Verfügung zu haben.

Haken gibt es aber reichlich.

Mir ist irgendwie frisch und ich springe erst einmal unter die Dusche. Über meine mitgebrachten Hüttenschuhe bin ich froh, denn sie sind schön warm.

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