Wir begegneten uns an diesen Betonbänken, die man inmitten des kleinen Platzes aus Kopfsteinpflaster platziert hatte. Um uns herum waren nur Stahl und Glas. Das einzige Grün, welches man sehen konnte, waren die sorgsam gestutzten Büsche in den eckigen Kästen auf den Dachterrassen der Bürogebäude.
Die Frau hatte, genau wie ich, so eine runde Pappschachtel mit unserem Essen darin dabei, doch ihre Schachtel war irgendwie beschädigt und ein grünlicher Brei visköste auf das Pflaster. Wahrscheinlich eine Erbsensuppe. Ich mochte die Frau sofort gut leiden, wie sie da saß mit breiten Beinen und wie sie die traurigen Reste ihrer Mittagsmahlzeit mit spitzen Fingern hielt und sich dabei nicht etwa ärgerte, sondern ein herzliches Lachen erklingen ließ. Ihr Lachen war hoch und sanft, aber dennoch kraftvoll.
Ich setzte mich einfach neben sie und bot ihr spontan etwas von meiner Pappschachtel an. Darüber war sie wohl so verdutzt, dass sie mein Angebot annahm. Sie zog ein großes Stofftaschen aus ihrer Jackentasche (die Frühlingssonne war zwar schon warm, aber der Wind war noch hinterhältig) und wischte sich die Hände sauber. Dann teilten wir meine Bowle geschwisterlich.
Nach dem Essen zeigte ich ihr mein großes Stofftaschentuch und wir schütteten uns förmlich aus vor Lachen darüber, dass sich hier inmitten einer kalten Welt aus gläserner Oberflächlichkeit zwei Stofftaschentücherfreunde getroffen hatten.
Seitdem sehen wir uns regelmäßig am kleinen Platz am Medienhafen.
Disclaimer, weil mich Rückfragen erreicht haben: Die Geschichte ist ausgedacht. Der Ich-Erzähler ist nicht mit mir identisch.
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