Kieselblog

Flusskiesels Tagebuch

2026-03-24 Dienstag

Nacht

Erschöpfte Nacht. Zu Beginn mit Kopfschmerzen, welche aber in der Dunkelheit vergehen.

Traum vom Zaun und vom Wiedersehen

Mir träumt, ich bin im Elternhaus. Mein Bruder und ich sehen fern. Es läuft etwas, wo zwei Menschen plötzlich beginnen zu singen. Mein Bruder schaltet wortlos den Fernseher aus und will eine Schallplatte auflegen. Ich bin sehr zornig darüber, dass er das macht, ohne vorher mit mir darüber gesprochen zu haben und ich schimpfe wie ein Rohrspatz. Er sei ein Imperialist, rufe ich empört. Mutter kommt hinzu und will deeskalieren. Dann ist sie erschöpft. Aus den Augenwinkeln sehen ich, dass eine Frau mit einem Kinderwagen über das elterliche Grundstück läuft, aber meine Mutter ist zu erschöpft, um etwas dagegen zu unternehmen. Ich sage, dass ich, wäre dies mein Haus, einen riesigen Zaun um das Grundstück bauen würde und innerhalb des Zaunes würde dann ein noch riesigerer Wachhund wachen. Der Hund würde grausam knurren und mit den Zähnen fletschen, wenn jemand vorbei käme. Würde man sich aber innerhalb des Zaunes aufhalten, wäre der Hund ganz, ganz lieb.

Meine Mutter lacht endlich wieder fröhlich.

Später muss ich zur Uni/FH/Schule. In der Straßenbahn treffe ich den alten Studienfreund O. Da ein Feiertag naht, will er wohl nach dem Unterricht nach Hause fahren, weswegen er einen großen Koffer dabei hat. Er setzt sich zu mir und ich zeige ihm meine neuen Kopfhörer mit Active-Noise-Cancelling-Funktion. Leider sind die Ohrpolster des Kopfhörers magnetisch und sie bleiben an meinem Brillengestell hängen. Ich bin so durcheinander, dass ich beim Aussteigen meinen Rucksack in der Bahn vergesse. Schnell renne ich zurück zur Straßenbahn und kann gerade noch so in durch die sich schließenden Türen ins Innere springen.

Morgen

Ich snooze beherzt in zwei Halbstundenschritten bis sechs Uhr, dann stehe ich zerschlagen auf. Die Morgenmeditation fällt mir schwer, denn der Geist denkt heute viel. Das meiste vom Gedachten verflüchtigt sich aber schnell wieder.

Das Kraftfutter mit Erdbeeren schmeckt mir heute besser. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich eine neue Tüte Haferflocken anbreche und es sich endlich wieder um die von mir so geschätzten kernigen Großblattflocken handelt. Man muss sich das Anbrechen einer neuen Tüte Haferflocken so vorstellen, dass ich den 2,5kg-Sack mit beiden Händen über ein in der Spüle stehendes Vorratsglas halte und ihn dabei vorsichtig halte wie ein Walbaby mit Brechreiz, dass man auf gar keinen Fall ins Flo flutschen lassen will. Ein Sack Flocken reicht für drei Vorratsgläser. Zum Glück geht alles glatt, was meine Gedanken wieder zum blümeranten Walbaby bringt.

Vor dem Homeoffice lege ich mich noch 40 Minuten in den Schwingsessel. Weil 20 Minuten “Power Nap” nicht ausreichen, mache ich einfach zwei “Naps” hintereinander. Ist das mit dem Kurzschlaf eigentlich Folklore oder bringt das wirklich was? Der Asiate scheint ja drauf zu schwören, wie ich seinerzeit in der Universitätsbibliothek eindrucksvoll demonstriert bekommen habe.

Im Homeoffice (also ca. 1,5 Meter vom Schwingsessel entfernt) habe ich ganz schöne Anlaufschwierigkeiten. Der Unterschied zwischen Müdigkeit und Erschöpfung ist, dass Kaffee nicht gegen Erschöpfung hilft. Ich trinke trotzdem welchen.

Field Writing

Nach dem Mittagessen kaufe ich mir ein Dinkelöhrchen im Bio-Supermarkt und gehe eine Runde in den Botanischen Garten. Hier laufen Menschen mit Warnwesten herum, die einen Hund an der Leine haben. Eine große, schlanke Frau ist auch dabei, aber sie trägt keine Warnweste. Es sieht aus wie ein Hundetraining. Vielleicht suchen die aber auch einfach nur Sprengstoff.

Ich setze mich auf die eine Bank, wo ich damals gerne nach der Arbeit am Master alleine Bier trank. Das war die Zeit, in der mein Leben auseinanderbrach. Hier in der Nähe hat die beste Ex-Frau von allen, als sie noch nicht die beste Ex-Frau von allen war, mal Dinge zum Mitnehmen aufgehängt. Als ich später mal beim Spazierengehen die leere Folie in einem Baum hängend entdeckt habe, musste ich ganz doll Weinen.

Deadman’s Gun.

Das Dinkelhörnchen erinnert mich an die Schweineöhrchen, die es vom Bäcker gab. Der fuhr damals mit einem Bulli über die Dörfer und verkaufte von Brettern. Da mein Elternhaus ja nicht im Dorf ist, war das wohl eine ganz praktische Angelegenheit, vor allen Dingen für mich, da ich Schweineöhrchen sehr gerne mochte – besonders die Schoko-Glasur. Ich erinnere mich daran, dass ich mir auch mal was anderes aussuchen sollte, aber ich war so heikel, was Essen anging und ich war so überfordert mit der Auswahl und der Situation, dass ich doch viel lieber bei den Öhrchen blieb. Das Dinkelohr ist nur ein fader Abklatsch der hellen Zuckerbomben von damals, aber es schmeckt trotzdem.


Ich denke das Wort „Studierendenfutter“ und muss lachen.


Schon ist die Pause fast rum und ich muss zurück in die Bärenhöhle. Gerne würde ich noch irgendwo einen Kaffee trinken, aber für den Sozialkontakt, der zur Abwicklung des Bestell- und Bezahlvorgangs notwendig ist, fehlt mir gerade die Kraft.

Abends kalt

Zum Feierabend wird mir kalt und ich total kaputt. Gehe Einkaufen und esse danach wild durcheinander. Merkposten: Gemüsechips sind lächerlich. Mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen, denn ich spüre, dass mein Körper jetzt dringend Energie benötigt. Vielleicht sollte ich dann zukünftig statt Gemüsechips, Linsenchips, Bratröllchen, Nougatcremering (immer wieder diese Nougatcremeringe!) und Frankfurter Würstchen einfach eine richtige Mahlzeit essen und mir z.B. eine Dose Bohnensuppe („Feuerzauber Texas“ – wer kennt ihn noch?) aufmachen.

Möglicherweise war da ein Infekt im Anmarsch, gegen den sich mein Körper wehren musste. Viel Kraft fließt ja im Moment auch in die Psyche.

Ich lenke mich noch ein wenig zu lange mit Crimson Desert ab. Zu diesem Spiel muss ich noch mal mehr schreiben, weil mir da so viel einfällt. Aber auch dazu fehlt mir gerade die Energie. Auf jeden Fall macht es mir in seiner Unbekümmertheit und den vielen Ideen sehr viel Spaß.

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