Kieselblog

Flusskiesels Tagebuch

2026-04-10 Freitag

Nacht

Ganz ordentliche Nacht, trotz der inneren Bedrängnis.

Morgen

Bin aber ungefähr drei Uhr wach, weil die Bedrängnis spürbar drückt. Döse noch bis zum Wecker um vier Uhr.

Frühstück: Kraftfutter mit dunklen Weintrauben. Heute packe ich kein Mittagessen ein, denn ich bin mit Freund Th. zum Hähnchenessen verabredet.

Das Gewicht ist vom Oster-Peak bei 98,irgendwas auf 96,irgendwas kg gesunken. Es ist erstaunlich, wie gut mein Körper gelernt hat, Energie kurzfristig zu speichern. Ich las mal irgendwo, dass das ein ganz normales Phänomen bei Menschen ist, die mal sehr dick waren.

Weg zur Arbeit

Die Züge fahren heute komisch und damit meine ich nicht, dass sie alle Clownsnasen tragen (das tun nur ganz wenige). Vielmehr gibt es seltsame Verspätungen und sogar einen Schienenersatzverkehr für die einige (aber nicht alle) S1. Eine von den schienengebundenen S1-Bahnen nehme ich dann. Dann habe ich Zeit für Blog und Tagebuch.

Wo ist?

Im Büro meldet sich die „Wo ist?“-App und vermisst meine AirPods Pro. Ich hole sie aus der Tasche und schalte sie einmal ein, damit sich niemand Sorgen machen muss.

Mittagshähnchen bei Leo

In der Mittagspause esse ich mit Th. bei Leo, dem Holländer, ein Grillhähnchen mit Twister-Pommes (auf deutsch: Ringelschwänzchenfritten) und Krautsalat wie in den alten Zeiten. Schmeckt mir wieder großartig!

Mein Verdauungstrakt hat sich wieder normalisiert, d.h. ich hätte nach diesem sehr, sehr reichhaltigen Mahl auch einfach weiter essen können (was ich natürlich nicht getan habe), da im System wieder viel Platz ist.

Wir unterhalten uns über die verrückte Weltpolitik, aber auch über ein Thema, welches die Landesregierung NRW gerade ziemlich beschäftigt (es hat mit der Heimatministerin zu tun).

Th. verabschiedet sich nach unserem Treffen ins Wochenende und ich muss noch für den Nachmittag ins Büro zurück.

Kaffeenotiz

Letztens habe ich bei Passione (meinem Lieblings-Barista) Kaffeebohnen geordert und dabei auch mal eine kleinere Portion Alfolí Microlot Natural mitbestellt. Der Kaffee schmeckt mir außerordentlich gut und ich denke, ich habe da einen neuen Favoriten. Er ist kräftig nussig und schokoladig, genau so, wie ich Kaffee mag.

(Keine bezahlte Werbung – nur Begeisterung und eine Notiz für mich selber.)

Vom Landtag bis Duisburg

Nach Feierabend starte ich meinen zweiten Versuch, mal von der Arbeit (in der Nähe vom Landtag in Düsseldorf) so weit es geht in Richtung Duisburg zu laufen. Einmal bin ich ja mit dem Thronfolger zusammen bis nach Kaiserswerth gekommen, bis ich vor Schmerzen einfach nicht mehr konnte. Allerdings haben wir da viele Schlenker und schöne Umwege gemacht. An Gründonnerstag habe ich ja in der Höhe des Nordparks wegen Regens abgebrochen.

Nun halte ich mich strikt an den Lauf des Rheins. Als ich den Trubel der Restaurant und Aperol-Ausgabestellen über dem Rheinufertunnel hinter mich gelassen habe, drubbeln sich auf den Wegen Fußgänger und Radfahrer in roten Trickots. Fortuna Düsseldorf scheint zu spielen. Die Stimmung ist übrigens ausgelassen entspannt. Nachdem ich an der „Arena“ vorbei gegangen bin, wird es ruhiger. Nur ab und an kommen mir ein paar verspätete Redshirts entgegen gestrampelt.

Auf dem Lohauser Damm wird es ländlich. Das Wasserwerk liegt noch herum, danach kommen Schafe, Wiesen und die Sonne. Der Rhein winkt mir aus seinem Bett heraus zu. Ich mache ab und zu auf einer Parkbank eine Pause. Irgendwie ist alles schön hier. Einmal gerät mein Herz in Verzückung (“Delight!“), als mich ein gelbes Rapsfeld anstrahlt.

Noch hält die Kraft.

In Kaiserswerth (einem, nun ja, sehr gediegenen Stadtteil von Düsseldorf) schlendere ich durch die Altstadt. Irgendwie war ich hier nur mehr oder weniger auf der Durchreise und habe die schöne Hutzeligkeit der Häuser noch nicht richtig bewundern können. Oder ich war zu besoffen dazu. Oder ich war besoffen auf der Durchreise.

Nun aber laufe ich zur Haltestelle „Klemensplatz“, denn meine Gelenke melden sich langsam und ich möchte ab jetzt der Straßenbahnlinie U79 folgen, um gegebenenfalls den Rest des Weges nach Duisburg gefahren zu werden. Am Klemensplatz kaufe ich noch eine Flasche Wasser und zur Feier des Tages eine kleine Flasche Cola Zero. Der nun anschließende Weg die Straße entlang ist nicht mehr ganz schön, lässt sich aber gut bewältigen.

Trotz schmerzender Gelenke biege ich in Wittlaer spontan auf einen kleinen Pfad ab, schaue einem Storch beim Nestbau zu und stapfe verwundert den zwitschernden Vögeln zuhörend über Bruchsteine.

In der Nähe der Haltestelle Wittlaer denke ich kurz darüber nach, ob ich es noch wagen sollte bis zur nächsten Haltestelle weiter zu laufen. Das linke Knie beginnt bei unachtsamen Schritte zu Schmerzen und die Hüftgelenke melden sich. Von den Muskeln will ich erst gar nicht anfangen. Ich bin mutig und steuere den „Froschenteich“ an, den letzten Halt auf Düsseldorfer Boden.

Nun laufe ich die „Duisburger Landstraße“ entlang die ist wirklich sehr landstraßig. Der Boden ist flach und es geht schnurgeradeaus. Am Froschenteich stelle ich fest, dass ich etwas mehr als eine halbe Stunde bis zur nächsten U79 warten müsste. Ob ich noch den Weg bis Kesselsberg wagen sollte? Die Schmerzen sind nicht unerheblich und es ist schon dunkel. Die Karten-App sagt, dass ich ungefähr 30 Minuten für die 2,3 km bis dort hin brauchen würde. Mich fuchst es irgendwie, dass ich jetzt kurz vor der Stadtgrenze aufgeben will, obwohl das definitiv vernünftiger wäre.

Ich scheiße auf die Vernunft und marschiere los. Ich marschiere schnell, denn ich hoffe, die Bahn um 21:14 Uhr noch zu kriegen. Eigentlich ist die Zeit ganz schön knapp, aber ich vertraue darauf, dass ich wesentlich schneller gehe als die in der Karten-App angegebene Durchschnittsgeschwindigkeit. Die schnelle Bewegung versetzt mich in eine Art Trance. Ich marschiere wie eine Maschine.

Schritt.

Schritt.

Schritt.

Schritt.

Schritt.

Schritt.

Die Schmerzen lassen nach, verschwinden sogar fast. Es ist eigentlich egal, ob ich die Bahn verpasse (es fahren ja noch weiter). Als ich das Landhaus Milser sehe, lege ich noch einen Zahn zu, sehe aber die U79 (eigentlich viel zu früh!?) an mir vorbei fahren. Ich werde trotzdem nicht langsamer. Erschöpft sinke ich an der Haltestelle auf eine Bank. Da kommt noch eine U79. Das ist also die richtige Bahn!Sie fährt mich nach Hause.

Daheim lasse ich mir trotz der späten Stunde eine Wanne einlaufen. Ich weiß, dass meine Muskeln die Wärme brauchen. Das heiße Wasser tut unendlich gut.

Danach sofort ins Bett.

44.000 Schritte, 30 km an diesem Tag. Ein neuer Rekord.

Sitzbank unter einem Baum. Dahinter blühender Raps
Sitzbank unter einem Baum. Dahinter blühender Raps
Ein Weg auf einem Damm. Links im Bild der Rhein
Ein Weg auf einem Damm. Links im Bild der Rhein
Screenshot Schrittzähler-App: 44.018 Schritte, 2.461 kcal, 31,2 km, 7:56 h
Screenshot Schrittzähler-App: 44.018 Schritte, 2.461 kcal, 31,2 km, 7:56 h

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert