Nacht
Ganz ordentliche Nacht. Träume seltsam. Jemand taucht plötzlich dort auf, jetzt wo ich losgelassen habe. Vielleicht gerade deswegen.
Morgen
Der Wecker weckt mit „Klassik Radio“ um sechs Uhr. Man begeht dort feierlich den Weltfrauentag und spielt doch nur Musik von männlichen Komponisten. Man kennt wohl seine Zielgruppe.
Ausflug
Heute will ich nach Betzdorf an die Sieg fahren und zwei Freunde treffen (A. und M.J.). Wir wollen zusammen ein wenig Wandern. Eigentlich bin ich noch nicht ganz fit, aber die Gesellschaft zweier enger, alter Freunde wird mir sicher gut tun.
Gleichzeitig fühle ich mich sehr aufgeräumt, was eigentlich ein Widerspruch ist.
Natürlich bin ich viel zu früh am Bahnhof und nehme einen Zug eher Richtung Köln. Wer weiß, was heute noch alles schief geht.
Im RE5 Richtung Koblenz spüre ich die Trauer in meinem Herzen. Dann setzt sich ein junger Mann in der Nähe und quakt laut in sein Headset. Ob er wohl mit der Ente telefoniert? Die ist so verdächtig still in der letzten Zeit.
Der Engel der aktiven Geräuschunterdrückung nimmt mich in seine Arme, legt seine Flügel um meine Ohren und lässt Lieder von Kreisen und Quadraten in sie hinein fließen.
Die Sonne scheint, es ist noch morgendlich kühl. Ich esse mein Morgenbrot mit Putenschinken, Käse und Ei. Dazu Kaffee aus der Thermosflasche. Es könnte schlechter gehen.
Ich schicke der Lieblingskollegin eine Nachricht und bitte sie, meinen Thekendienst morgen zu übernehmen, weil ich es vielleicht nicht schaffen werde, einen ganzen Tag auf dem Präsentierteller zu sitzen.
Weiden ziehen vorbei. Selbst von meinem Sitzplatz aus kann ich den Tau in den Gräsern glitzern sehen.
Zwischenstopp in Köln-Deutz. Ich bin irgendwie froh, einen früheren Zug erwischt zu haben und schlendere ein wenig herum. Zwei Postkarten kaufe ich auch und schreibe sie im „McCafé“, dem einzigen Laden, in dem man hier sitzen kann. Der Kaffee ist ganz ordentlich.
Die Sonne scheint weiterhin freundlich.

Abend
Abends Unruhe, Angst, Traurigkeit. Ich kann bald nicht mehr. Loslassen aus Kraftlosigkeit.
Als ich die Kniften für den nächsten Tag schmiere, zerbrechen die Schnitten und ich esse sie sofort auf. Danach noch einen Apfel.
Traurig zu Bett.
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