2022-11-15

Dienstag, 15.11.2022 – Pardontitis

Der Tag

Die Paradonditis-Behandlung ist überstanden. Meine Fresse ist taub und ich sehe aus wie Sylvester Stallone.

Ich sitze auf der Bank gegenüber dem Stadttheater. Es hat sich nicht gelohnt, nach der hübschen Zahnärztin erst noch nach Hause zu humpeln.

„Mit allen seinen Tiefen, seinen Höhen voll ich das Leben ab vor Deinem Blick. Wenn Du das große Spiel der Welt gesehen, so kehrst Du reicher in Dich selbst zurück!“

So steht es oben auf dem Giebel des Theaters. Die goldenen Buchstaben leuchten in der Sonne verheißungsvoll.

Ich will mich für meine Tapferkeit belohnen und laufe mir auf dem Weihnachtsmarkt eine Tüte belgische Pommes. Beim Essen beiße ich mir natürlich die Lippe kaputt.

Die Menschen sitzen draußen in den Cafés und schreien sich an. Sie reden über Schuhe und Dispositionskredite.


Die innere Arbeit hält mich auf Trab. Das innere Kind ist Unruhe, möchte auf den Arm. Ich weiß garnicht, wie ich es trösten soll. Die Ängste vor dem Zahnarztbesuch glühen nach, eine Erleichterung stellt sich nur langsam ein.

Der dicke Kiesel sitzt im Straßencafé und schaut traurig drein.

Der dicke Kiesel würde sich gerne an der Wunderschönen laben, sie herzen, küssen und verehren. Doch das ist nur das innere Kind, das auf den Arm will.


Der Weihnachtsmarkt ist da! Er soll vor wenigen Tagen gelandet sein! Die mächtigen Kessel sind voller Glühwein und Champignons. Alles leuchtet bunt und fröhlich, denn Energie haben wir dank der Kernfusion ja mehr als genug! Die Menschen stehen hier und da Schlange, im ,,Pils-Eck“ sitzt nur rauchend die Security.


Was für ein Tag! Nach der Gruppe laufe ich zu Fuß zu Sawadi. Mitten auf dem Weg kommen mir Zweifel, ob ich nicht einfach hätte mit der U-Bahn nach Hause fahren sollen – so erschöpft bin ich. Doch die Botschafterinnen Thailands umfangen mich mit ihrem Lächeln. Thailändische Schnulzenmusik ist gut für die Seele!

Bilder

Giebel Stadttheater
Giebel Stadttheater Duisburg