2023-01-08

Sonntag, 08.01.2023 – Urlaub auf Sylt, Tag 2

Die Nacht

Die Nacht ist sehr unruhig. Die Matratze ist viel zu weich und ich wache mit leichten Rückenschmerzen auf.

Der Tag

Gegen halb zehn gehe ich los. Da Sonntag und Winter ist, haben die Bäckereien geschlossen. Dann jedoch kommt mir ein junger mit einer Brötchentüte in der Hand entgegen! Er weist mir den Weg zu einer kleinen Bäckerei. Viele, viele Menschen wollen hier Sonntagsbrötchen kaufen, müssen aber warten, bis die Bäckereifachverkäuferin mir mein Frühstücksbrötchen geschmiert hat.

Frühstücksbrötchenscham.


Strandpromenade Westerland. Multifunktionsmenschen gehen Joggen.

Ich stehe an der Musikmuschel und winke meinem Papa zu. Der guckt nämlich die Webcam auf dem Miramar-Hotel. Wir telefonieren dabei und lachen uns kaputt.


Wegen der Rückenschmerzen nehme ich eine Naproxen 500. Das Handy kommt in den Flugmodus, der Kopfhörer wandert in den Rucksack. Ab jetzt höre ich die Brandung.


Ich färbe mich beige, um unter den ganzen Rentnern nicht aufzufallen.


Es fällt mir schwer, die Gedanken frei zu lassen. Der Kopf wird umstürmt. Der Geist sucht irrlichternd nach Beschäftigung.

Gleichzeitig bin ich sehr froh um den schönen Schal, den mir meine Mama zu Weihnachten geschenkt hat.


Ein in Goretex-Pelle gespanntes älteres Ehepaar stapft stramm an mir vorbei. Sie sagt zu ihm in giftig-süßlichem Tonfall: ,,Das ist aber großzügig von Dir!“

Das ganze Elend dieser Zweierkiste blättert sich vor mir auf wie ein Buch: Sie haben eine kleine Meinungsverschiedenheit und schließlich gibt er nach. Anstatt aber die Sache auf sich beruhen zu lassen, drückt sie ihm aber noch schnell von hinten einen Spruch rein.

Mitunter bin ich dann doch ganz gerne Single!


Ich habe nichts dagegen, wenn die Menschen mit sich selber reden — sie sollten mich dabei aber bitte nicht so ansehen!


Die ersten paar hundert Meter sind sehr anstrengend und ich muss viele Pausen einlegen. Doch langsam, langsam ,,läuft“ es besser: Ich gehe bedächtig. Die Rückenmuskulatur entspannt sich.


Das Meeresrauschen nimmt den unruhigen Geist in sich auf. Das Smartphone bleibt ausgeschaltet.


Mittagstisch: Pannfisch mit Bratkartoffeln im Fischhaus Blum, dazu ein Glas Bier. Der Fisch schmeckt gut, ist jedoch sehr fettig.

Nach dem Essen lege ich mich für ein Stunde hin.


Zum Sonnenuntergang gehe ich wieder auf die Promenade. Drei Wellenreiter sind im Wasser und ich schaue ihnen eine Weile zu.

Die Wellen bringen Schaum, denn die Meerjungfrauen baden.


Durchgefroren ins ,,Alt-Berlin“. Der Oberkeller (Wirt?) ist sehr routiniert jovial. Das gefällt mir. Ich trinke Guinness und schreibe viele, viele Postkarten. Die Musik kommt aus den 80er Jahren und ich fühle mich wohl.

Bilder

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