2024-05-14 Dienstag

Erstaunlich gute Nacht. Mir träumt, ich bin ein junger Comiczeichner und habe gemeinsam mit anderen Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern eine Ausstellung. Vorher müssen wir jedoch alle ausgestellten Werke (meist Plakate) einmal anklicken und die Roststellen oder den Schleim darauf mit der Maus ins Inventar ziehen (die Materialien kann man dann später umwandeln und verkaufen). Schnell zeichne ich auch noch einige Werke zu Ende. Einer meiner Superhelden sieht ein bisschen aus wie Wolverine, sonst sind wir alle stolz darauf, die schier unendliche Masse an Superhelden um neue und innovative Charaktere zu erweitern.


Ich stehe um sieben Uhr auf. Die Sonne ballert sich einen zurecht und es herrscht Sommerstimmung. Im Radio kriegen sie sich bestimmt wieder nicht ein vor ,,Tolles Wetter!“-Trara! Ich hingegen sitze am Schreibtisch und spüre wieder die Angst.


Der Geist rennt und rennt und brennt und brennt. Ich nenne das den ,,Fluchtgeist“. Er will weg, einfach nur weg. Doch ich muss ihn verfolgen mit dem großen Kescher und ihn wieder einfangen, denn er muss in der Sitzung nachher Protokoll führen. Er will aber nicht. Er ist trotzig wie ein Kleinkind.

Zum Trost werfe ich ihm einen Text hin. Da steht er nun mit großen Augen vor den Zeilen, allerdings will er danach noch schneller weglaufen.


Eine Fliege surrt durch das Wohnzimmer. Auf der Straße orientalische Musik. Ich will Eis essen und bin überhaupt nicht so verzweifelt wie sonst immer.


Ich will wieder fokussierter werden. Konzentration! Die Willenskraft trainieren wie einen Muskel! Angestrengt schreibe ich das Protokoll. Danach bin ich verwirrt, weiß für einen Moment nicht mehr genau, wo ich gerade bin.

Leise höre ich von draußen Kinder rufen. Sofort riecht mein Gehirn das warme Gummi von Aufblas-Tieren. Jemand hupt.


Bin weiter verwirrt. Nach Feierabend gehe ich nach draußen, will meinen Foto-Rundgang machen. Es fühlt sich jedoch alles so an, als würden zwei goldene Hände in mein Gehirn greifen und mit meinen Neuronen Harfe spielen. Will ich spazieren gehen? Es ist zu warm! Beim Türken Falafel essen? Es ist doch so warm! Ich will in den Wald! Oder doch nicht? Auf dem Balkon sitzen? Kann mich nicht konzentrieren. Ich überquere die Kreuzung, kehre dann um, nur um wieder die Richtung zu wechseln. Später sitze ich dann bei Olga und warte auf frittierten Schafskäse. Immerhin bin ich heute nicht so dumm und bestelle statt Fritten nur einen Salat dazu.
Sobald ich ein wenig fokussierter bin, dreht meine Denkmurmel komplett durch. Alles, was es durch die den Filter ins Innere schafft, wird gnadenlos verwertet. Gedanken, Worte, Sätze jagen einander. So wie in der Rheinklinik damals: Da bin ich als Stationskasper den Leuten ganz schön auf die Nerven gegangen.


Sehr früh zu Bett.

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