2024-06-08 Samstag

In Allgemein

Der Schlaf des Erschöpften wird nur einmal kurz unterbrochen. Morgens stelle ich fest, dass der WLAN-Radiowecker eine verrückte Uhrzeit anzeigt, denn um 1 Uhr nachts geht bestimmt nicht die Sonne auf. Ich stelle den Handywecker auf 7 Uhr und lege mich noch für zwei Stunden aufs Ohr.

Mir träumt ich bin zu Besuch bei Lars und übernachte in einer leer stehenden Wohnung. Mit dabei ist noch ein schmaler, dünner Kerl mit Seitenscheitel, Brille und dürrem Schnäuzer. Seine Freundin kommt aus China und leistet uns Gesellschaft. Eigentlich unterhalten wir uns ganz gut. Irgendwann holt Lars uns ab und in einer Kaffeemaschine auf dem Fußboden läuft durch. Dummerweise habe ich meine Zahnbürste vergessen und muss mich nun mit Hustenbonbons behelfen, um einen halbwegs frischen Atem zu haben.

Das Gehirn hat sich ein wenig erholt und einige Erlebnisse in den Träumen abgearbeitet. Die Muskeln tun alle noch weh, aber da kann ich jetzt nichts machen. Eine heiße Dusche tut gut.

Weil ich nicht weiß, was ich noch machen soll, fahre ich früh zum Hauptbahnhof und frühstücke in einer Bäckerei. Einmal laufen mehrere Tauben um mich herum, was ein wenig seltsam ist.

Der Kaffee macht mich wach.

Auf der Fahrt merke ich, wie erschöpft ich eigentlich bin und mache erst einmal ein Nickerchen.

Viele Gedanken an den D-Day und den Rechtsruck in Europa. Ängste kommen auf, Gedanken an Widerstand.

Ich beende das Buch ,,Scholomance’’. Da es einen fiesen Kliffhanger hat, werde ich den zweiten Band wohl doch lesen. Aber erst einmal kommt etwas anderes. Vielleicht ,,Die Pest’’ von Camus?

Bis Dortmund fährt eine junge Frau mit. Sie sitzt mir gegenüber und ist sehr hektisch. Sie tippt hastig auf ihrem MacBook herum. Als wir in Dortmund einfahren, seufzt sie.

In Herford steige ich tatsächlich in den falschen Zug ein!

Vorher gehe ich noch auf die Bahnhofstoilette. Heute ist in Herford Umständlich-Tag: Ein älterer Mann steht vor der Toilette und kramt unendlich langsam nach Kleingeld. Dabei blockiert er den Zugang zum einzigen Herrenklo. Er öffnet eine Reisetasche, greift im Schneckentempo hinein und holt dann noch eine Tasche heraus, in der er herum kramt. Irgendwann bemerkt er, dass ich auch warte und lässt mich mit der Bemerkung vor, er habe keinen Euro für die Toilette. Ich gebe ihm 50 Cent und dafür lässt er mir den Vortritt.

In der Bäckerei bezahlt eine alte Frau mit Centstücken. Die Bäckereifachverkäuferin lacht mit breitem, slawischen Akzent: ,,Das kriiiiegen wir schon hiiiin!’’

Die BILD verkündet begeistert von einem Zeitungsständer (sic!) herab: ,,VIAGRA HILFT GEGEN DEMENZ!’’

Da schreiben sich die Gags doch fast von alleine! Dieter Nuhr, Mario Barth und Johann König werden schon ganz wuschig vor Glück.

Dann hoch zum Gleis. Dort steht schon ein Zug! Der Zugzielanzeiger zeigt an, ,,fährt weiter als RB 77’’ und ich denke: Ach! Das ist ja mein Zug!.

Erst als der Zug viel zu früh los fährt, bemerke ich, dass ich im RE 70 (?) nach Bielefeld sitze. Dort steige ich dann aus und fahre wieder zurück nach Herford. Hier sind, wie ich jetzt feststelle, auch andere Zugzielanzeiger verwirrt. Als ich meinen Zug endlich gefunden habe und unsicher vor der Tür stehe, macht der Lokführer eine Lautsprecherdurchsage: ,,DIES IST DER ZUG NACH HAMELN!! HAMELN!!’’

Dankbar steige ich ein.

Bin momentan sehr außer mir. Das will heißen: Ich fühle mich selber kaum. Zu viele Veränderung im Außen, zu viele Eindrücke. Ein bisschen stumpfe ich ab, lasse die Welt ziehen. Ich würde gerne mehr in mir selber ruhen.

Andererseits: Wie die Aktion mit der verschollenen Hotelkarte oder mein heutiger Umstiegs-Faux-Pas zeigen, bin ich dann wohl doch ein wenig gereift.

In Hameln holt mich Lars dankenswerterweise mit dem Auto vom Bahnhof ab und bringt ich zum Hotel.

Die Gartenparty ist sehr schön. Ich bekomme Fake-Steak gegrillt und später noch Grillkäse. Leider habe ich wieder vergessen, von welcher Marke der ist, denn er war nicht so gummiartig wie diejenigen, die ich bisher ausprobiert habe.

Allerdings bin ich schon gegen 22 Uhr müde. Das ist aber normal für mich, seitdem ich abstinent bin. Sozialkontakt ist für ich ja eh anstrengend/aufregend und früher habe ich mir ja eine warme Decke zur Beruhigung angetrunken. Das fällt jetzt weg. Auch kostet es (wenig, aber mehr oder weniger konstant) Kraft, nicht zu Trinken.

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