Montag, 16.10.2023

Die Nacht

Mir träumt, ich sehe eine satirische Dokumentation über einen Industriebetrieb. Da fahren Leute mit riesigen Baufahrzeugen durch Hallen. Ein Mann mit einer Glatze und Narben im Gesicht schaut mir über die Schulter. Er meint verächtlich, dass sei doch klar, dass die solche Sendungen machen, weil das doch nur Ziegelbrenner seien. Er selber habe mal in einem Betrieb der Ziegelbrenner gearbeitet. Dort gab es einen Schwarzen namens Sahin und der war eigentlich nicht angestellt. Er bekam auch keinen Lohn sondern ging ab und an zu einem Arbeiter und sagte zu ihm: ,,Kalter Druck! Kalter Druck!“ und versetzte seinem Gegenüber einen äußerst schmerzhaften Stoß gegen die Brust, wenn der nicht bezahlte. Ich schaue den Glatzenmann an und wenn selbst so ein harter Mensch Angst bekommt, ist natürlich auch jemand wie ich beeindruckt.

Morgens

Aufstehen um 7:30 Uhr. Ich bin relativ erholt. Der Körper scheint sich an die viele Bewegung zu gewöhnen. Es ist weiterhin kühl.

Beobachtungen

Wir gehen erst einmal in den HOFER (den österreichischen ALDI) einkaufen.

Beobachtung:

Das Warteschlangenverhalten der Österreicher gleicht dem der Deutschen. Wird eine neue Kasse geöffnet, gilt das Kriegsrecht.

Zeitungsverkäufer

Erinnerungen an die Zeitschriftenverkäufer damals, von denen fast jeder einen Turban getragen hat. Im Kino sahen wir mal einen Werbespot für eine Wiener Tageszeitung, in dem man die Verkäufer bei der Beantwortung der Frage nach ihrem Lieblingstier gefilmt hat. Ausnahmslos alle sagten: ,,Elefante!“ Wir fanden das sehr niedlich. Würde man heute sicher nicht mehr so machen und finden.

Die Zeitungsverkäufer boten an ihren kleinen Ständen auch Magazine und Hardcore-Pornohefte an. Aus dieser Zeit muss auch der Satz von Max Goldt stammen: ,,Wien ist völlig verpornt!“.

Stephansdom

D. und ich schauen uns den Stephansdom an und sind ein wenig unterwältigt. Immerhin scheint am frühen Vormittag das Licht hübsch durch die Fenster. Auch wenn es die Wiener immer furchtbar ärgert: Der Stephansdom sieht aus wie eine Miniaturausgabe des Kölner Doms (wer den Grund dafür wissen möchte, der kann ja mal nach dem Dombaumeister Friedrich Schmidt suchen). Die beste Liebste von allen und ich waren damals nur ein einziges Mal am Stephansdom.

Rund um den Dom riecht es nach Pferdescheiße.

Eine Runde durch die Stadt

Der Schwedenplatz ist vom Verkehr umtost. In herbstlicher Frische zieht ein Trinker seine ersten Dosen des Tages.

Wir laufen durch den Stadtpark, verpassen aber das berühmte Johann-Strauß-Denkmal. Das habe ich aber immerhin schon vor 25 Jahren zusammen mit der besten Liebsten von allen besucht.

Endlich Topfenstrudel!

Der Topfenstrudel im Café Schwarzenberg schmeckt sehr lecker, ebenso wie der große Braune. Der Kellner ist freundlich-jovial. Die Preise sind natürlich gepfeffert, was aber normal für ein Kaffeehaus im ersten Bezirk ist.

Karlskirche

Immer wieder kommen wir an der Karlskirche vorbei und setzen uns jedes Mal kurz auf einer zahlreichen Bänke hier. Irgendwie fasziniert und das Bauwerk sehr.

Musikverein

Die Besichtigung des Musikvereins ist sehr lohnend! Ich möchte hier nicht die ganzen Fakten runterrasseln, die ich zwischendurch mitgepinnt habe, aber mich hat überrascht, dass die Größe eines Orchesters historisch bedingt immer mehr angewachsen ist. Deswegen musste im Musikverein auch die Bühne mitwachsen.

Endlich Wiener Schnitzel!

Wir schaffen sogar noch, nach der Führung einen kleinen Spaziergang durch die Gassen der Umgebung zu machen. Dann geht es ins Salm-Bräu, wo D. ein Gulasch und ich ein Wiener Schnitzel bestelle. Beides schmeckt uns gut, mir übrigens auch das sehr süffige Gösser Naturgold alkoholfrei (aus der Flasche).

Abends bekomme ich Blähungen und ich habe da die Vanillesoße aus dem Café Schwarzenberg in Verdacht. Vielleicht ist da ja Saccharin drin, dass ich wohl nicht mehr so gut vertrage.