2024-06-05 Mittwoch

Das Atosil am Abend hat geholfen und ich konnte in der Nacht schlafen. Mir träumt etwas davon, dass ich mich verloben will, die Familie der zukünftigen Braut sie jedoch wegen einer Erbschaftssache lieber mit dem eigenen (Halb?)Bruder vermählen will. Nach meinem Antrag macht der Junge verschämt seinen eigenen, der jedoch von der Liebsten lächelnd abgelehnt wird.
Dann bin ich mit Flöte irgendwo und er erzählt mir, dass er heiraten möchte. Als seine Lebensgefährtin dazu kommt, verplappere ich mich und Flöte muss ihr einen spontanen Heiratsantrag machen (sie sagt ,,ja!’’).


Ich nehme spontan eine Verbindung früher und hier sogar einen noch früheren verspäteten RE 1. Bin total aufgeregt.

Zweite Klasse, kein Tisch. Also: Notizbuch.

Ein Mann schreit laut in einer slawischen Sprache herum.


Hamm. Zugteilungswitze fallen heute leider aus. Kaffee und Franzbrötchen in der Bäckereifiliale. Eng und voll hier. Ich wundere mich sowieso schon darüber, wie viele Menschen an einem Mittwochvormittag unterwegs sind! Die Bäckereifiliale bittet per Schild darum, passend oder mit Karte zu zahlen, weil man von den Banken kein Kleingeld mehr bekomme.

In der Bahnhofshalle schreit der Slawe wieder herum und will sich mit einem Mann prügeln. Ein Obdachloser, der sein aufgespanntes Zelt hinter sich herzieht, geht dazwischen.


Halt in Altenbeken. Stiller Gedanke an Wiglaf Droste.

Das war früher hier alles Zonenrandgebiet!


Ein Feld voller Windräder im Nebel. Sie drehen sich. Irgendwo in Bayern erwacht Markus Söder schreiend aus einem Alptraum.


Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe. Auch ein so Ort aus der Zwischenwelt! Will man das Gleis wechseln, läuft man gefühlt durch die Stadt. Zeugt man hier im Wartebereich ein Kind, will es später die Welt vernichten.


Notiz an mich: Bei Reisen zukünftig statt Koffern, Reisetaschen u.ä. lieber möglichst ganz auf Rucksäcke bauen, um flexibler zu sein!

Temperatur: Kühler Sommertag. Die Landschaft und die Sprache der Menschen verändert sich.


RE 9 nach Leinefelde. Dort werde ich meinen Anschluss nach Erfurt wohl verpassen. Immerhin gibt es hier im Zug so nette Sitzgruppen mit Tischen und Steckdosen. Ich versuche, möglichst viel Strom in das iPad zu laden – wer weiß, wie lange ich noch unterwegs sein werde? Analogen Lesestoff habe ich auch noch und könnte zusätzlich Podcasts hören.

Am Tischlein tippe ich Notizen ab.


Tief hängende Wolken.
Felder!
Felder!


,,Diese Windräder saugen doch die ganze Germanenkraft aus dem deutschen Mutterboden! Söder hilf!’’


Bin da und doch nicht da. Die Emotionen hocken hinter den Büschen und schauen zu mir herüber.

Im Thüringer Land, da blühen die Ruinen.
Keck zeigen sie ihr Gemäuer, vom Putz befreit.


Da ist sie wieder, die Angst! Alte Freundin Angst! Liegst da wie ein schwarzer, öliger Tümpel und glitzerst wie die Augen einer Spinne am Boden eines tiefen Schachts.


Erfurt. Ein Chellospieler sitzt an einer Ecke und spielt die Klassiker. Bin ich überhaupt wirklich hier?


Die Frau vor mir im Nahkauf legt neben der Flasche Orangensaft noch eine mit Wodka auf das Band. Man kann die Scham in ihrem Gesicht sehen.

Draußen mache ich ein Foto vom Ladenschild, denn ,,Nahkauf’’ ist das Gegenteil von ,,Fernleihe’’.


In Erfurt kaufe ich mir spontan einen Füller aus Messing. Er ist schwer, die Feder geht leicht. Bei einer blonden Barista mit osteuropäischen Akzent trinke ich Espresso und probiere den Füller aus.

Das Hotelzimmer ist sauber, modern, klein und sehr teuer. Den Grund für die weitgehende Ausgebuchtheit der Hotels sehe ich, als ich mich zur Zitadelle aufmache: Der Domplatz ist voller Buden und Zelte. Ich glaube, dass ist irgendein großer Lauf oder ein Sportfest.

Von der Zitadelle hat man eine tolle Sicht auf die Stadt (Notiz an mich: Mal ein Kabel oder einen SD-Karten-Leser für die Kamera mit auf die Reisen nehmen. Habe ja jetzt einen Laptop dabei!). Die Ausstellung lockt mich auch, denn ich habe es ja mit Festungsbauten. Leider bin ich vollkommen kaputt und schaffe nur eine kleine Runde.

Das Abendessen nehme ich in der Zitadellengastronomie ,,Glashütte’’ ein. Das Shakshuka schmeckt ganz ordentlich und leicht. Das alles hier muss ich mir noch mal in Ruhe anschauen.


Zurück im Hotel (Rückweg mit der Straßenbahn – Deutschlandticket sei Dank!) dusche ich mich, gehe durch die Tagesnotizen und nehme meine Atosil-Tropfen in Ermangelung eines Bechers (ich könnte einen an der Rezeption holen, aber ich habe schon den Schlafanzug an) in einer leeren Flasche alkoholfreien Bieres gemischt ein.


,,Diese E-Mail wurde von SUPA-AntiVir auf Computerviren überprüft! Sie sollten aber trotzdem nicht glauben, was hier steht!’’