Kieselblog

Flusskiesels Tagebuch

Geschichten

Ausgedachte und geträumte Geschichten

  • Endlager

    Hauptbahnhof. Die Snackautomaten sind aus Stahl und vergittert. Das Glas ist dick und sicher. Panzerkäfige, die wie geduckte Saurier am Bahnsteig warten.Im Inneren der Automaten wabern die Geister der Toten. Blass und dünn schauen sie mich an. Trauernde, dunkle Augen. Sie scheinen zu sprechen. „Wo bist Du?“ fragt einer „Ist Heiner nicht da?“ fragt eine…

  • Wurst

    Es war so weit. Der Tag war gekommen, ihr Lebenstraum würde endlich wahr werden.Die Männer, welche das Becken vor ihr gefüllt hatten, waren nach Beendigung ihrer Arbeit gegangen. Sie waren schnell und diskret gewesen – niemand hatte dumme Fragen gestellt. Ihr hoher Lohn hatte sich als gut angelegtes Geld erwiesen.Nun war sie alleine. Ihre Kleidung…

  • Anubis

    Der staubige Weg, auf dem ich gehe, steigt langsam an – und da sehe ich mir vor mir schon mein Ziel: Den Knochenberg. Der Aufstieg ist lang und schwer. Immer wieder brechen Schädel und Gebeine unter meinem Gewicht, ich laufe Gefahr, in die scharfen Rippen oder die geborstenen Beinknochen zu fallen. Doch alles geht gut.…

  • Mein Name ist Friedrich Alexander Cornelius Hans Schuster und ich diene im Range eines Feldwebels als Subcommandantus in der 3. Stampferkompanie des 1. Garderegimentes der V. Legion seiner heiligen Majestät und als ich meine Augen öffne, beginnt der letzte Tag meines Fronturlaubes. Ich liege in meiner Kammer und es muss früher Vormittag sein, denn das…

  • Der Stadtteil

    Zu Beginn war die Aufregung noch groß gewesen, als der Duisburger Stadtteil Ruhrort durch die Sanierung der Karl-Lehr-Brücke faktisch vom Rest des Stadtgebietes abgeschnitten wurde. Ruhrort war schon immer eher schlecht zu erreichen gewesen, da er vom Hafen, von großen Industrieanlagen, dem Rhein und der Ruhr mehr oder weniger umzingelt war. Der Hauptzugang erfolgte deswegen…

  • Ich laufe durch die Straßen und kann es kaum noch ertragen, sie überall zu sehen, diese fetten Blutsäcke. Sie laufen hin und her, plärren in ihre technischen Geräte und nehmen sich so unendlich wichtig. Das tun sie schon, seitdem ihre Vorfahren lernten, aufrecht zu gehen und als sie dann mit dem Feuer auch noch die…

  • Boris schielte auf seine Armbanduhr. Noch zehn Minuten, dann hätte er es überstanden. Für heute. Ohne Mantel, Handschuhe und Barett fühlte sich Boris seltsam nackt – hier, in der Eulenschule.Die meisten anderen Schüler hockten wie versteinert da, nur Nabiba redete ohne Pause. Es war nämlich offene Fragestunde und da drehte sie immer auf. Gerade mahnte…

  • Johannes breitete die Arme aus. Er hatte es geschafft! Die Vögel zogen singend über ihn hinweg und das Gras kitzelte seine nackten Füße. Lachend lief Johannes los und fast war es ihm, als könne er Fliegen. Sein Haupthaar wehte im Sommerwind, nur durch ein schmales Lederbändchen gehalten. Johannes hatte es geschafft! Gerade eben, kurz vor…

  • Die Flucht

    Er saß ganz still im Gebüsch auf dem kleinen Hügel und beobachtete im Licht der untergehenden Sonne die Männer auf dem Boot. Sie räumten ihre Angelruten zusammen, reinigten hier einen Grill, dort eine Scheibe und rauchten dabei. Sie ließen sich Zeit, denn sie wollten unbedingt bis zum Einbruch der Dunkelheit hier draußen bleiben, ohne Verdacht…

  • „Q2?“ Die Stimme des Operators klang dumpf. Quinchen bewegte sich ein bisschen in seiner Nährflüssigkeit. Er wedelte mit den dünnen Ärmchen. „Ja, Operator?“ – „Ich habe hier einen erhöhten Druck im Ventil Block B 13/413 auf der Anzeige. Könntest Du das überprüfen?“ Quinchen schickte seine Gedanken in die Anlage noch während er antwortete: „Ja, Operator.…